Veränderung unseres Mobilitätsverhaltens

Für manche Menschen im ländlichen Raum ist es nicht anders möglich, für die meisten aber einfach komfortabel, seine Mobilität mit dem eigenen PKW individuell zu organisieren. Nachhaltig ist es leider nicht und nicht einmal aus ökonomischer Sicht vernünftig. Es gibt sogar bereits einfach, sicher und kostenfrei nutzbare Kommunikationstechnologie, die jeder mit einem Smartphone oder Navi an Bord oder Internetanschluss zu Hause nutzen könnte, um Mitfahrangebote zu nutzen oder selbst jemanden mitzunehmen.

Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass jemand aufgrund guter Argumente sein eingefahrenes Mobilitätsverhalten ändert. Offenkundig braucht es noch etwas anderes als Informationen, um Menschen zum Umdenken bzw. Handeln zu motivieren.

Unser Mobilitätsverhalten ist, wie jedes Verhalten, erlernt. Wir lernen häufig in sozialen Kontexten. Menschen, die uns wichtig sind, bestärken uns in unserem Verhalten oder sie lassen uns spüren, dass sie damit nicht einverstanden sind. Besonders stark ist der Einfluss durch Menschen aus dem sozialen Milieu, mit dem wir uns selbst identifizieren, also durch Unseresgleichen. Die dort vorherrschenden Einstellungen, Werte und Verhaltensmuster werden oft einfach übernommen, ohne sie zu hinterfragen.

Unterschiedliche soziale Milieus haben ein unterschiedliches Mobilitätsverhalten.

Wenn wir Mobilitätsverhalten ändern wollen -und wir wollen das aus guten Gründen- müssen wir verstehen, welche Bedeutung das Verkehrsmittel für den anderen hat. 

Wer Menschen dazu bewegen will, ihr Mobilitätsverhalten zu verändern braucht milieuspezifische Strategien.

Das eigene Verkehrsmittel dient vielen Menschen nicht nur dazu, mobil zu sein. Es ist vielmehr Teil ihrer Identität und damit, ähnlich wie Kleidung, Ausdrucksmittel für den eigenen Lebensstil. Es kann ein Dazugehörigkeitsgefühl verleihen, bzw. umgekehrt, auch ein Instrument der Abgrenzung von anderen sein. Der Mobilitätsstil sowie die Bedeutung des Verkehrsmittels unterscheiden sich zwischen verschiedenen sozialen Milieus. Wer beispielsweise dem sozial-ökologischen Milieu zugerechnet werden kann, wird es eher peinlich finden, unter seinesgleichen mit einem stark motorisierten Sportwagen vorzufahren. Gut fürs Image hingegen wäre ein Fahrrad. Wer eher dem konservativ etablierten Milieu angehört, legt meist Wert darauf, seine gehobene gesellschaftliche Stellung auch durch einen gediegen wirkenden Wagen zu unterstreichen und dürfte es in aller Regel unangemessen finden, sich zum Trampen an den Straßenrand zu stellen.

Vornehmlich im urbanen Raum  beginnt das eigene Auto bei progressiv eingestellten Milieus allmählich seine Bedeutung als Statussymbol an andere Konsumgüter abzutreten. Dort gelingt es eher, ein Auto auf seine Funktion als Fortbewegungsmittel zu reduzieren. Damit ist eine Voraussetzung zu einem rationelleren Umgang mit Verkehrsmitteln geschaffen, die es ermöglicht, Fahrzeuge gemeinsam und zugeschnitten auf den jeweiligen Bedarf zu nutzen.